Happy Birthday iPhone!

In diesen Tagen würde ich mir am liebsten ständig die Hände reiben vor lauter Ruhe und Gelassenheit. Während alle Welt mal wieder aufgeregt darüber diskutiert, wie genial, innovativ und überhaupt “absolute amazing!!!” apples Jubiläums-iPhone wohl sein mag, kann ich mich entspannt zurücklehnen. Ich bin raus. Denn ich habe nach 10 Jahren, in denen ich jeden Versionssprung mitgemacht habe, dem iPhone nun den Rücken gekehrt. Die Frage, ob ich in diesem Jahr mehr als 1.000(!) Euro für ein Smartphone ausgeben werde, habe ich mir selbst und zu meiner vollsten Zufriedenheit mit “nein” beantwortet. Und das war nicht so einfach, wie es sich für den einen oder anderen jetzt anhören mag, denn ich gehörte damals zu den ersten iPhone-Usern in Deutschland. Das führte mich in eine vermeintliche Abhängigkeit.

Wie meine Sucht begann

Mein Geschäftspartner aus den USA war so freundlich und brachte mir im Herbst 2007 dieses Wunderteil aus Californien mit. Ich war kein bekennender apple-Jünger. War ich nicht und bin ich nicht. Für mich muss Technik funktionieren und zwar so gut, dass es Spaß macht, damit zu arbeiten. Und dieses Bedürfnis befriedigte dieses iPhone zu diesem Zeitpunkt in ungekannter Art und Weise.

Der große Zampano

Und was man damals für eine fette Welle damit schieben konnte! Es war ja im deutschen Handel noch nicht einmal erhältlich. Und so war man der große Zampano der Mobiltechnik. Wenn ich es in Meetings auf den Tisch legte, ging immer ein leichtes Raunen durch die Gruppe, so als hätte ich gerade die Karaffe Mineralwasser vor mir in eine Flasche Château Lafite-Rothschild feinsten Jahrgangs verwandelt.

Von der Ernüchterung zum Frust

Über die Jahre wurde das alles zur Gewohnheit. Mit jedem Sprung auf das jeweils neueste Gerät mischte sich zwischen meine Begeisterung zunehmend der Ärger darüber, dass dieses sch… teure Teil aus meiner Sicht zu viele Macken und eine viel zu kurze Lebensdauer hatte. Ich verstehe ja, dass Technik auch mal ihre Ausfälle hat. Aber wenn ich mir das angeblich tollste Markenprodukt dieser Welt kaufe und dafür regelmäßig einen Batzen Geld hinblättere, dann erwarte ich eine längere Haltbarkeit als bei einem Kinder-Laptop von Fisher-Price.

Warten auf die Schnuller-Fee

Leider gelang mir nie so richtig der Absprung, da ich seit der Erfindung des Smartphones auf dieses iPhone konditioniert war. Ich kam mir vor wie ein Kleinkind, das seinen Schnuller abgeben sollte. Da kam mir der Zufall zu Hilfe und erleichterte mir die Entscheidung. Ende 2016 verlor ich mein iPhone.

Ich schaffte mir daraufhin ein Smartphone von Huawei im Wert von rund 350 EUR an. Als ich es auspackte, stieg Schmerz und Schmach in mir auf und mir gingen die folgenden Gedanken durch den Kopf:

“Das wird weh tun. Das wird jetzt psychisch, physisch und sozial eine schmerzhafte Zäsur. Wie soll ich – nachdem ich 10 Jahre lang Luxusklasse à la Cupertino gefahren bin –  nun mit einer Seifenkiste aus Shenzhen durchs Leben kommen, vor allem durchs Berufsleben? Mein Image bei Kunden und Geschäftspartnern? Dahin! Meine Kommunikations-Performance? Irgendwo zwischen Schnecke und Faultier! Bild und Ton? Welcome to the 80s. Umlernen von apples Betriebssystem iOS auf android? Wird wahrscheinlich Monate dauern. Datenübernahme? Mir wird schlecht.

Happy End

All das ist nicht eingetreten. Der Wechsel lief völlig problemlos und ich habe seit Jahren endlich wieder das Gefühl, von einem perfekten Preis-Leistungs-Verhältnis zu profitieren. Der Unterschied zwischen iOS und android ist wirklich nicht so groß wie es einem so oft erzählt wird. Außerdem war ich erstaunt, dass diese ganze „boah-ey-Technik“, von der ich dachte, die hat bisher nur das iPhone intus, nahezu genauso (und teilweise noch besser) in meinem 350 EUR Gerät wie selbstverständlich drin steckt. Ein paar Fragen musste ich allerdings beantworten. Was mich denn geritten hätte, kein iPhone mehr zu nutzen. Ich konnte jedem meinen Wechsel plausibel erklären. Und manchmal schien es mir, als würde mein Gegenüber dabei leicht irritiert und nervös auf sein sündhaft teures iPhone schauen und sich fragen, ob er das nicht auch mal probieren sollte.

UND DIE MORAL VON DER GESCHICHT‘
NICHTS ZU ÄNDERN LOHNT SICH NICHT.

Oliver Sonntag, 2017

Warum habe ich Ihnen diese, meine wahre Geschichte, erzählt?

Es geht mir nicht darum, apple-Produkte schlecht zu machen. Ich nutze selbst immer noch genügend andere Hardware von denen und bin damit sehr zufrieden. Und natürlich spielt es keine Rolle, ob Sie ein iPhone, Samsung, Huawei, Sony oder sonst ein Smartphone nutzen. Hauptsache, es funktioniert für Sie. Selbst wenn Sie ganz auf’s Smartphone verzichten und trotzdem effektiv und effizient Ihrem Business nachgehen können, ist das völlig ok. Nicht ok ist, wenn Sie das Gefühl haben, irgendwo in Ihrem digitalen Getriebe steckt so viel Sand, dass sie permanent ausgebremst werden. Ob das Ihr Computer, Netzwerk, Software oder Internetseite ist. Es ist nichts in Stein gemeißelt. Optimieren Sie das besser, als dass Sie sich unnötig lange über suboptimales Werkzeug ärgern. Sie sollten sich von keinem System so vereinnahmen lassen, dass ein Wechsel undenkbar erscheint. Das haben Sie nicht nötig. Wenn’s nicht läuft, gibt’s immer eine Alternative.