„Der Unternehmer, den ich Ihnen heute im persönlichen Interview vorstellen möchte, heißt Joachim Waßmann. Er verkörpert für mich in besonderer Weise den Typ von Unternehmer, der Computer und Internet schon früh und konsequent für sich und seine Geschäftsidee genutzt hat. Die fortschreitende Digitalisierung brachte dann jedoch seine ärgsten Konkurrenten hervor, von Airbnb über booking.com bis hin zu fewo-direkt und dergleichen. Er nahm mit seinem Unternehmen diese Herausforderung an und setzt den digitalen Riesen bis heute einiges entgegen.“

Er war immer wieder bereit, technisches Neuland zu betreten und neuen Methoden, Techniken und Ratgebern eine Chance zu geben. Seine Geschichte bestätigt eindrucksvoll meine persönliche Einstellung zur Digitalisierung. Es geht um Evolution, nicht um Revolution. Das heißt, Prozesse und Werkzeuge werden in einer für das Unternehmen verträglichen Geschwindigkeit Schritt für Schritt und kontinuierlich an die technischen Möglichkeiten angepasst und nicht mit einem großen, revolutionären Knall.

Heute ist Joachim Waßmann 74 Jahre alt. In den 60er Jahren legte er den Grundstein für die Joachim Waßmann GmbH, eine der ersten und bis heute sehr erfolgreichen Vermittlungsagenturen für Ferienhäuser auf Sardinien, s. www.sardinienferienhaus.de. Zeitweilig war sie sogar die größte Agentur für sardische Ferienhäuser.

Vor Kurzem hat er die operative Geschäftsführung in die Hände seines Nachfolgers gelegt. Er engagiert sich aber weiterhin mit viel Herzblut für das Unternehmen und bringt nach wie vor seine Erfahrung ein. Mittlerweile hat er sich auch als Blogger einen Namen gemacht und beglückt seine stetig wachsende Leserschaft auf www.inside-sardinien.de mit allerlei Insiderwissen über “seine” Insel Sardinien.

Ich treffe Herrn Waßmann in Berlin zum Interview.

Im Gespräch mit Joachim Waßmann auf der Terrasse seines Hauses in Berlin.

Ich wollte ihn eigentlich zum Essen in der Innenstadt einladen. Aber er lehnte von Anfang an charmant ab mit der Begründung, die Terrasse seines Hauses mit Seeblick sei ein weitaus inspirierenderer Ort für unser Interview. Außerdem könne er sich dann persönlich ums Kochen und um die Bewirtung kümmern. Dass ich dieses Angebot gern angenommen habe, bereue ich nicht. Im Gegenteil, wir haben einen großartigen Abend und all die kulinarischen Köstlichkeiten und ausgezeichneten Weine, die Herr Waßmann auftischt, geben dem Gespräch einen grandiosen Rahmen:

Herr Waßmann, 2012 hatten wir beide den ersten Kontakt zueinander. Damals ging es um die Betreuung und Erneuerung der Internetpräsenz Ihres Unternehmens. Seitdem sind wir im Bereich Internet und Digitalisierung einen gemeinsamen und ereignisreichen, manchmal auch kontroversen, aber stets konstruktiven Weg gegangen. Bevor wir darauf näher eingehen, stellen Sie sich unseren Lesern doch einmal kurz persönlich vor.

Mein Name ist Joachim Waßmann und ich bin heute 74 Jahre alt. Sardinien habe ich vor 50 Jahren eher zufällig kennengelernt. Ich war spontan von Sardinien begeistert, und habe versucht, die Insel, nachdem ich meine Freunde mit meiner Begeisterung angesteckt hatte, einem größeren Kreis schmackhaft zu machen. Das war wirklich nur aus meiner eigenen Überzeugung heraus, weil ich es dort einfach so toll fand.

Hätte es auch eine andere Insel oder ein anderer Ort sein können, oder würden sie sagen, das hätte nur bei Sardinien so funktioniert?

Das hat bei Sardinien so funktioniert, weil es meinen damaligen Wünschen hundertprozentig entgegen kam. Ich war eine Wasserratte, ich wollte viel schwimmen, viel schnorcheln, und ich wollte nichts mit Massentourismus und Hotels zu tun haben. Ich wollte zwar Badeurlaub am Meer, aber bitte unter Einheimischen. Und das war zu der Zeit kaum anderswo mehr möglich. Die meisten Inseln waren touristisch schon weit erschlossen, jedenfalls dort, wo es Strände gab, die so schön sind, wie die auf Sardinien. Das heißt, die gibt es eigentlich nicht, denn Sardinien hat die schönsten Strände (lacht verschmitzt). Sardinien hingegen war damals noch unentdeckt. Anfangs war da einfach nur meine pure Begeisterung. Und aus dieser Begeisterung ist der Wunsch entstanden, heimisch zu werden auf Sardinien. Ich habe mir dort in den 70er Jahren ein Ferienhaus gekauft und es restauriert. Um die Kosten für die Restaurierung aufzufangen, begann ich 1976, das Haus auch zu vermieten. Damit trat ich unwissentlich eine Lawine los, die maßgeblich meine berufliche Zukunft bestimmen sollte.

Ich vermietete mein Haus auf Sardinien nur, um die Renovierungskosten wieder rein zu holen. Damit trat ich – ohne es zu wissen – eine Lawine los.

Sie hatten also ursprünglich gar nicht den Plan, eine Ferienhausagentur zu gründen?

Gar nicht, nein. Aber nachdem ich mein Haus gut vermietet hatte, kamen meine sardischen Nachbarn und wollten, dass ich ihre Ferienhäuser auch vermiete. Und so, wie ich mein eigenes Haus für die Vermietung präsentiert habe, habe ich dann auch die Häuser meiner sardischen Nachbarn präsentiert.

Imagefilm zum Thema Kitesurfen auf Sardinien (von www.sardinienferienhaus.de)

Für mich hatte Sardinien schon immer die schönsten Strände.

Ich war schon in den 70ern ein Influencer – nur ohne Internet und Social Media. Statt instagram nahm ich Papierfotos und statt Online-Zugang hatte ich das Telefon und die Post.

Wie haben Sie das damals gemacht? In den 70er Jahren waren die Kommunikations- und Präsentationstechniken im Vergleich zu den heutigen Möglichkeiten ja recht eingeschränkt.

Man könnte sagen, ich war so einer, den man heutzutage “Influencer” nennen würde. Ich wollte Leute mit meiner Begeisterung, die ich für Sardinien empfand, anstecken. Natürlich war da an Social-Media, Bloggen, instagram und youtube noch nicht einmal zu denken. Die Exposés der Häuser packte ich auf hektographierte DIN A4-Blätter, die ich in der Schule vervielfältigt hatte. Ich war zu dieser Zeit als Lehrer tätig. Ich habe Kleinanzeigen geschaltet, in der Welt und anderen Blättern. Ich habe den Interessenten dann die vier Seiten – also zwei beidseitig beschriebenen DIN A4 Bögen geschickt. Bei Interesse haben die Leute mich dann angerufen und ich habe ihnen daraufhin per Post Fotos der Häuser geschickt, mit der Bitte, sie mir nach Ansicht wieder zurück zu senden.

Klingt aus heutiger Sicht ganz schön kompliziert. Was glauben Sie, war letztendlich der ausschlaggebende Punkt für den Erfolg?

Ich denke, mein wirtschaftlicher Erfolg hing damals ganz wesentlich damit zusammen, dass ich 100% von Sardinien überzeugt war und das auch gut formulieren konnte. Ich war also in der Lage, die Insel, die Ferienhäuser und das ganze Drumherum textlich attraktiv zu beschreiben und es den Leuten so richtig schmackhaft zu machen. Ich habe aber gleichzeitig Wert darauf gelegt absolut ehrlich zu sein. Meine Texte mussten zwar schon werbisch sein und die Leute auch irgendwie “anmachen”. Denjenigen, die mich dann angerufen haben, habe ich aber ganz genau und ehrlich erzählt, was sie erwartet.  

Also Sie haben auf Schwächen oder Mängel hingewiesen?

Ja, genau. Die Häuser waren damals ja nicht immer durchgestylte Luxusbuden. Ich habe daher mit nichts hinterm Berg gehalten, so dass die Gäste schon im Vorfeld immer genau wussten, wo es eventuell auch mal ein Problem geben könnte. Vieles war halt – sagen wir mal – zu der damaligen Zeit etwas “sardisch rustikal”.

Wann haben Sie realisiert, dass Sie ganz offensichtlich ein tragendes Geschäftsmodell entdeckt hatten?

Das war so Anfang der 80er Jahre. Da nahm das merklich Fahrt auf. Und ein paar Jahre später, so Ende der 80er, hatte ich mit der Methode – Bilder verschicken und telefonieren – die erste Umsatzmillion erzielt. 1987 gründete ich dann die Wassmann GmbH und 1990 fingen wir an, auch mit Computern zu arbeiten.

Wofür genau haben Sie die Computer damals eingesetzt?

Einfach nur, um die Büroarbeit zu vereinfachen. Ich hatte ja bis dahin mit Karteikarten gearbeitet. Für jeden Kunden legte ich eine Karteikarte an. Darauf habe ich schon damals jedes Telefongespräch stichwortartig protokolliert, damit die Kunden, wenn sie mich anriefen, den Eindruck hatten, der weiß, wovon und mit wem er spricht. Und als ich den Computer dann hatte, habe ich ihn zunächst auch nur dafür benutzt, meine Kundenkartei digital zu führen und mir während der Telefonate Notizen zu machen bzw. diese abzurufen.

„Papa, wir müssen eine Internetseite haben.“

„Was soll denn DER Quatsch?!“

Wie und wann ging es bei Ihnen mit dem Internet los?

Zu dem eben genannten Zeitpunkt gab es noch keine Internetseite. Anfang der 90er Jahre arbeitete dann mein Sohn bei mir mit. Der sagte eines Tages: “Papa, wir müssen eine Internetseite haben.” Ich fragte ihn, was denn dieser Quatsch solle. Er blieb aber hartnäckig und überzeugte mich, “diesem Internet” eine Chance zu geben. Wir einigten uns also darauf, dass er eine Homepage für das Unternehmen machen sollte. Für jeden Kunden, der über das Internet buchte, vereinbarten wir für ihn eine Provision. 1993 fing er an, diese Seite zu bauen. Einige Zeit später, waren wir dann sozusagen “online”.

„Neben der Einführung von Computern gab es 1990 aber auch wirkliche romantische Momente.“

Joachim Waßmann über die Hochzeit mit seiner Frau Ulla

Wie hat sich das mit dem Einsatz von Computern dann weiterentwickelt?

Ich hatte ja angefangen mit einem Belegungsplan an der Wand im Büro, wo jede Buchung einzeln gesteckt wurde, Reservierungen und Buchungen farblich unterschieden. Das war so eine Riesenwand. Und dann fragte mich ein befreundeter Informatiker, warum ich diesen Belegungsplan denn nicht in meinem Computer verwalten würde. Ich war zwar skeptisch, ließ ihn aber mal machen. Und das klappte wunderbar. Dann wurden die Buchungen auch direkt dort erfasst. Da war aber noch nichts online. Diese Daten waren nur bei uns im Büro verfügbar. Mit dem Aufkommen des Internets haben wir unsere digitalen Werkzeuge dann aber mehr und mehr vernetzt.

Was war und ist Ihre Erwartungshaltung an die sogenannte Digitalisierung?

Mich trieb eigentlich immer die Frage um, wie kann mir die Technik helfen, mein Geschäft effizienter zu führen und meine Werbekosten zu reduzieren bzw. zu kontrollieren. Meine Ferienhäuser bekannt zu machen, sie attraktiv zu präsentieren und schließlich für den Gast buchbar zu machen, all das war und ist mit Aufwand und Kosten verbunden. Wann immer ich mir in den vergangenen Jahrzehnten neue Techniken und Prozesse zu eigen gemacht habe, tat ich das vor dem Hintergrund, kosteneffizienter zu werden.

Da fällt mir das Thema Anzeigenschaltung bei Google ein. Als wir uns vor ein paar Jahren kennen lernten, steckten Sie noch eine verhältnismäßig große Menge Geld in die sogenannten adwords.

Ganz genau. Die Sache mit der Auffindbarkeit in Suchmaschinen, insbesondere bei Google, wurde ja über die Jahre immer wichtiger und existentieller. Ich war mir dessen immer bewusst und wurde auch hier recht früh aktiv bzw. arbeitete mit einer Agentur zusammen, die das für uns machte. Doch ich blieb ja nicht der einzige Ferienhaus-Anbieter. Mit dem Aufkommen von Unternehmen wie Airbnb, booking.com und fewo-direkt wurde es immer härter, sich auf den oberen Suchergebnis-Plätzen bei Google zu behaupten. Ich beschloss dann irgendwann, durch das Schalten kostenpflichtiger Google-Anzeigen diesem Abwärtstrend entgegen zu wirken und somit für Klicks auf meine Seite zu bezahlen. Wir konnten damit auch deutlich mehr Besucher gewinnen.

Dürfen wir hier verraten, wieviel Geld Sie damals für die Google-Anzeigen ausgegeben haben?

Das war eine hohe vierstellige Summe pro Monat über einen Zeitraum von mehreren Jahren.

Das war ja ein ziemlicher Batzen. Ich weiß, dass dieses Anzeigenbudget dann irgendwann auf Null gefahren werden konnte, ohne dabei Website-Besucher zu verlieren. Erzählen Sie mal, wie das möglich war.

Wir haben seit etwa 2012 intensiver als je zuvor daran gearbeitet, unser Suchmaschinen-Ranking in der sogenannten organischen Google-Suche zu optimieren und zu festigen …

… kurz für unsere Leser zur Info: die organische Suche bei Google ist der Teil, wo man sich obere Positionen nicht erkaufen kann, sondern sich mit viel Know-how und Fleiß die entsprechende Relevanz erarbeiten muss.

Ja, das war und bleibt angesichts der Konkurrenz, die mit unglaublich viel Marketingpower in den Markt gedrängt ist, ein hartes Stück Arbeit. Aber wir sind bis zum heutigen Tag kontinuierlich dran geblieben und haben uns Monat für Monat unsere obere Google-Position zurück erobert und werden diese auch weiterhin verteidigen. Wie gesagt war unser Besucheraufkommen bis dato stark abhängig von der Anzeigenschaltung bei Google, also von bezahlten Zugriffen. Irgendwann hatten wir dann aber den Punkt erreicht, dass wir durch unsere gute Platzierung so viel mehr Besucher auf unsere Website bringen konnten, um diese Abhängigkeit aufzulösen. Seitdem schalten wir in der Regel gar keine adwords mehr und investieren das Budget an anderer Stelle.

Klingt ja nach einer echten Erfolgsstory. Mit welchen konkreten Maßnahmen haben Sie sich denn bei Google so gut nach oben gekämpft?

Ich glaube, das würde den Rahmen hier etwas sprengen, wenn ich die einzelnen Maßnahmen nennen und erläutern würde. Zusammenfassend kann ich aber sagen, dass wir sehr gut beraten waren, unter anderem auf eine gute Content-Strategie zu setzen …

… das bedeutet, sie kreieren Inhalte und Geschichten, die für Ihre Zielgruppe interessant sind?

Genau. Heutzutage macht es ja wenig Sinn, Kunden durch reine Werbung mit der Brechstange gewinnen zu wollen. Immer noch ein wenig lauter zu schreien als die Konkurrenz kann nicht die Lösung sein. Das Internet platzt ja mittlerweile aus allen Nähten was das angeht. Jeder buhlt um die Aufmerksamkeit potentieller Kunden. Wir haben uns irgendwann gesagt, dass wir das über richtig gute Inhalte lösen wollen. Also Inhalte, die so interessant und attraktiv sind für unsere Zielgruppe, dass diese gern angeschaut, gelesen und in den sozialen Medien geteilt werden.

Geben Sie mal ein Beispiel.

Wissen Sie, ich bin jetzt seit 50 Jahren untrennbar mit Sardinien verbunden und verbringe mein halbes Leben dort, kenne Land und Leute und habe viele sardische Freunde. Sie können sich vorstellen, dass ich in dieser Zeit unglaublich viel gesehen und erlebt habe, was dem “normalen” Touristen in der Regel verborgen bleibt. Ich denke, ich kann mich mit gutem Gewissen als absoluten Sardinien-Insider bezeichnen. Wenn Sie einen Urlaub auf Sardinien planen, dann kann ich Sie also ganz anders beraten, als das irgendeine dieser neueren Reiseplattformen könnte. Irgendwann bekam ich den Impuls, mein Insider-Wissen, meine Erfahrungen, Erlebnisse und Anekdoten aufzuschreiben. Das Ergebnis war dann ein eigener Blog im Internet (www.inside-sardinien.de), auf dem ich seit einigen Jahren regelmäßig publiziere und der sich einer stetig wachsenden Leserschaft erfreut.

Super, man schreibt also einfach nur einen Blog und ist King bei Google?

Schön wär’s. Der Blog ist ja schließlich nur ein Baustein von vielen. Und glauben Sie mal nicht, dass das mit dem Schreiben wenig Aufwand ist. Aber das wissen Sie ja aus eigener Erfahrung selbst am besten. Und es zahlt sich langfristig aus. Darüberhinaus haben wir natürlich viele andere Maßnahmen im Netz, auf sozialen Medien und mit Kooperationspartnern auf den Weg gebracht. Ein zentraler Punkt ist aber, dass wir konsequent mit und an unserer Unternehmens-Website www.sardinienferienhaus.de arbeiten. Sie ist das zentrale Werkzeug für unseren Umsatz. Darum überlassen wir hier nichts dem Zufall und analysieren und optimieren permanent, damit unsere Nutzer das bestmögliche Erlebnis haben, wenn sie bei uns nach passenden Angeboten stöbern und dann gleich online buchen wollen. Wir haben mit unserem Buchungssystem auch den Schritt hin zu “responsive” gemacht, d.h. unsere Kunden machen auch auf dem Smartphone eine hervorragende Nutzererfahrung. Das wird immer wichtiger. Außerdem haben wir vor einiger Zeit auch ein neues, sehr effizientes Content Management System bei uns eingeführt, welches es uns ermöglicht, unsere Inhalte und Objekte einfach und schnell ins Netz zu stellen und dort zu verwalten. Auch die gesamten Buchungsvorgänge sind in das System integriert.

Sie scheinen ja wirklich sehr neugierig und beratungsoffen zu sein. Könnte man es so sagen, dass ein Großteil Ihres Erfolges auch darauf beruht, dass Sie immer geschaut haben: Wer könnte mich zu relevanten Themen beraten und mir wichtige Impulse liefern?

Ja, genau richtig. Ich habe immer die Fühler ausgestreckt, war wissbegierig und habe versucht, die Dinge zu verstehen, um daraus für mich die richtigen Schlüsse zu ziehen. Darum sind mir Partner und Dienstleister wichtig, die kein Fachchinesisch mit mir sprechen und denen ich vertrauen kann. Ich weiß, ich muss und will kein Experte im Internet werden, aber ich erwarte, dass man mich so verständlich berät, dass ich meine Situation und meine Handlungsoptionen beurteilen und somit strategisch kluge Entscheidungen treffen kann. Das hat eigentlich immer hervorragend funktioniert.

“Eigentlich”? Also doch nicht immer?

Naja, in all den Jahren unterlaufen jedem Unternehmer auch mal Fehler.

Können Sie sich noch an Ihren schwerwiegendsten Fehler erinnern?

Oh ja. Allerdings hing der nicht mit der Digitalisierung bzw. dem Internet zusammen, sondern damit, dass ich unüberlegt und überstürzt eine wichtige Entscheidung getroffen habe. Dieser Fehler hat mich viel Geld und Nerven gekostet und war für meine Reputation nicht gerade … na sagen wir mal … förderlich.   

Das wollen wir jetzt aber mal genauer wissen.

Das war Anfang der 90er. Durch irgendeinen weltpolitischen oder wirtschaftlichen Einfluss brachen mir kurzfristig massenhaft Buchungen weg. Ich hatte den Ehrgeiz, die Häuser irgendwie trotzdem voll zu bekommen. Zu dieser Zeit las ich in der Zeitung eine Anzeige, wo jemand sehr günstige Flüge nach Olbia (Sardinien) inklusive Leihwagen anbot. Der kann doch bestimmt auch Häuser gebrauchen, dachte ich. Wir telefonierten und er war spontan begeistert von meiner Idee. Es wurde vereinbart, dass er mir Kunden schickt. Er bat mich noch, sie jeweils an den Wochenenden vom Flughafen abzuholen und in ihre Unterkunft zu bringen. Und sie kamen auch. Aber es stellte sich heraus, dass keiner von denen eines meiner Ferienhäuser auf Sardinien gebucht hatte. Die hatten irgendwelche Vouchers für die unterschiedlichsten Hotels auf der Insel oder im schlimmsten Fall nicht einmal eine Unterkunft auf Sardinien, sondern irgendwo in der Türkei. Ohne das jetzt weiter auszuführen, ich war einem Betrug aufgesessen und bezog von den Gästen obendrauf noch die Prügel, obwohl ich eigentlich gar nichts dafür konnte. Natürlich sah ich nie auch nur einen Cent von dem Betrüger und so war die Saison ein komplettes Desaster. Hätte ich – wie sonst auch – die Sache hinreichend geprüft und dem Herrn auf den Zahn gefühlt, wäre mir das nicht passiert. Seitdem habe ich mir geschworen: kein voreiliges Handeln mehr.

Lassen Sie uns wieder zu den angenehmeren Dingen kommen. Wir haben bisher von der Neukundengewinnung gesprochen. Für viele Unternehmen ist das das A und O. Manche vergessen darüber hinaus, Ihre Bestandskunden ordentlich zu pflegen. Wie handhaben Sie das?

Ganz wichtiges Thema. Unsere Stammgäste genießen eine Sonderbehandlung. Das fängt mit der Ansprache an. Wir teilen dem Kunden beispielsweise per E-Mail mit, dass wir uns freuen, dass wir wieder mit ihm zu tun haben, oder am Telefon auch – Ach, Herr Müller, sind Sie jetzt wieder da? Das ist ja toll! Vor Ort bekommen diese Kunden dann eine besondere Aufmerksamkeit und wir gewähren auch Preisnachlässe für Stammgäste. Früher lief ja unser Kundenkontakt über das Telefon. Das ist jetzt weggefallen, weil die Kunden kaum noch telefonieren. Deshalb muss das, was wir früher in Deutschland am Telefon gemacht haben, heute das Servicebüro in Budoni machen, indem sie die Kunden namentlich begrüßen. Das Servicebüro ist bei uns Dreh- und Angelpunkt für den persönlichen Kundenkontakt.

Wie stehen Sie denn zu den Online-Bewertungen, die heutzutage immer mehr Bedeutung bekommen?

Die ersten Bewertungen, die ich online bekommen habe, waren meist negativ, denn es schreiben leider oft nur die, die etwas zu meckern haben. Und ich habe mich da wahnsinnig drüber geärgert. Ich wusste lange nicht, wie ich damit umgehen sollte, bis ich auf die Idee kam, zufriedene Kunden darum zu bitten, uns doch zu bewerten, z.B. auf HolidayCheck. Was dazu geführt hat, dass wir seit 2012 jedes Jahr von HolidayCheck ausgezeichnet werden.

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Wie gehen Sie mit schlechten Bewertungen und unzufriedenen Kunden um?

Kurioserweise hatten viele unserer Kunden, die später zu Stammkunden wurden, anfangs ein Problem vor Ort, welches dann gut gelöst wurde. Das fanden die so klasse, dass sie immer wieder gekommen sind. Denn sie wussten ja, falls es ein Problem geben sollte, wird das aus der Welt geschafft. Manche sind auch in ein bestimmtes Haus verliebt, und wollen immer wieder dorthin. Aber andere kommen eben wieder, weil sie gut bedient wurden. Und noch etwas: Wir bitten jeden unserer Gäste darum, am Ende seines Aufenthalts einen Bewertungsbogen auszufüllen. Und ich habe es mir zum Prinzip gemacht, auf jeden dieser Bewertungsbögen persönlich zu reagieren. Und wenn mir Mängel angezeigt werden, lasse ich den Kunden wissen, dass ich persönlich die Beseitigung veranlasst habe. Das ist sehr aufwändig, aber es zeigt dem Kunden, dass wir uns die Zeit nehmen, die Bewertungen zu lesen, und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass wir weiterempfohlen werden.

Worin sehen Sie die größten Herausforderungen beim täglichen Geschäft und bei der grundsätzlichen Weiterentwicklung Ihres Unternehmens? Wo sehen Sie die größte “Baustelle”?

Sich zu behaupten gegen Homepages wie booking.com und ähnliche Unternehmen, die Konditionen haben, die wir nicht bieten können –  dass man zum Beispiel bis zum letzten Tag stornieren kann und dergleichen – und sich dagegen so zu positionieren, dass der Verbraucher trotzdem zu uns findet. Dafür muss dem Kunden klar gemacht werden, dass bei uns ein Service geboten wird, den es bei booking.com nicht gibt. Wenn ein booking.com-Ferienhausgast einen Wasserschaden hat, kann er nur hoffen, dass sein Vermieter ein Guter ist. Bei uns gibt es einen Service, der dafür sorgt, dass das funktioniert. Und es gibt ein Serviceteam, das Deutsch spricht. Wenn mal ein Arzt gebraucht wird oder Ähnliches, dann ist der Kunde bei uns besser aufgehoben. Und das muss dem Kunden vermittelt werden …

… dass er einen direkten und persönlichen Ansprechpartner hat, den er bei den Großen so nicht hätte?

Genau. Dass bei uns die Probleme so oder so gelöst werden. Ich meine Services, die booking.com und andere so nicht anbieten. Wenn ich da bei Fritze Müller das Ferienhaus buche, dann bin ich auf Gedeih und Verderb bei Fritze Müller festgenagelt.

Wo sehen Sie bezogen auf Ihr Unternehmen die größten Probleme bei der weiteren Digitalisierung?

Ganz klar im schleichenden Verlust des direkten Kontaktes zum Kunden. Viele wollen gar nicht mehr persönlich beraten werden oder haben verlernt, dass es so etwas noch gibt und dass es sehr gut sein kann. Es gibt eine starke Tendenz hin zu dem Verhalten: Preis vergleichen, Anbieter anklicken, Buchen, fertig. Dass das angeblich die tollste Art ist, Reisen zu buchen, wird uns ja durch die großen Buchungs- und Vergleichsportale mit viel Werbebudget eingetrichtert. Mit dem Aufkommen sogenannter Chatbots wird sich das noch verstärken.

Wo sehen Sie Ihr Unternehmen in 10 Jahren? Was ist Ihre Vision?

Meine realistische Einschätzung ist, dass es sehr schwer sein wird, sich gegen die Flut von Angeboten im Internet zu behaupten, insbesondere die von den ganz großen Buchungsplattformen. Oder den sogenannten Bewertungsplattformen, die in Wirklichkeit auch nicht von den Bewertungen leben, sondern davon dass verschiedene Anbieter da ihre Häuser zum Buchen reinstellen und dann Provision bei Ihnen abkassiert wird. Dabei will ich nicht mitmachen. Meine Vision unserer Agentur ist, dass wir unseren Prinzipien und unserer Tradition der persönlichen Kundenbehandlung treu bleiben, uns technisch trotzdem immer weiterentwickeln, strategisch gut aufstellen und uns von den Großen nicht die Butter vom Brot nehmen lassen.

Haben Sie kürzlich die operative Geschäftsführung in die Hände eines jüngeren Nachfolgers gegeben, auch um den Anschluss an die neue Zeit nicht zu verlieren?

Machen wir uns doch nichts vor. Ich bin 74 Jahre alt, fühle mich gesund und munter und bringe mich noch unglaublich gern im Unternehmen ein. Außerdem denke ich, dass ich auch im Zeitalter der Digitalisierung die technische Entwicklung so weit im Auge behalten habe, um mich gut auf dem Laufenden zu halten. Aber es wäre doch fahrlässig gewesen, wenn ich nicht langfristig einen geeigneten Nachfolger aufgebaut hätte, der das Unternehmen kompetent und glaubwürdig weiter führen kann. Ben Rüdt ist genau der Richtige. Er begleitet mich und das Unternehmen schon seit vielen Jahren und ist mit Sardinien genauso eng verbunden wie ich es bin, kennt Land und Leute und weiß, was unsere Kunden wollen. Von daher sehe ich uns trotz wachsender Konkurrenz im Netz hervorragend aufgestellt.

Herr Waßmann, das war ein gutes Schlusswort. Ich danke Ihnen für das Gespräch.

Weitere Informationen auf www.sardinienferienhaus.de und www.inside-sardinien.de

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